Es hat sich schon herum gesprochen: wir sind lebendig vom Vulkan Iztaccíhuatl zurückgekehrt. Es war ein absolutes und atemberaubendes Erlebnis, das wir so schnell nicht vergessen werden - das kann man schon im zweiten Satz sagen.
Der Vulkan Iztaccíhuatl im Südwesten von Mexiko-City.
Die vorgekochte Pasta am Vorabend. Man beachte die Uhrzeit.
Unser Gepäck.
Es ist so verdammt früh!!
Im Transporter: Christian und Carolina rechts, das Gepäck links.
Steffi, noch guter Dinge.
Im Supermarkt in Amecameca.
Auf dem Marktplatz - im Hintergrund unser Ziel.
Die letzten Quesadillas.
Um 12 Uhr sind wir dann im Park angekommen und haben zunächst unsere Zelte aufgebaut. Wir haben noch Einweisungen von unseren Führern erhalten und ich schaute nicht schlecht, als wir auf einmal Helme, Eispickel und Spikes für unsere Schuhe bekommen haben. Ohjee. Danach haben wir unsere Spaghetti verzehrt, die wir noch am Vorabend vorbereitet hatten. Ab 16 Uhr haben wir dann versucht zu schlafen, denn losgehen sollte es um 0 Uhr!!! Nur leider konnte keiner schlafen, erst zu warm und zu hell, später einfach viel zu kalt. Außerdem bekam ich leichte Kopfschmerzen - vermutlich durch die Höhe - und ich hatte mich wirklich nicht wohl gefühlt. Unser Basislager lag in etwa 3850m - dort hält man sich ja nicht so oft auf.
Auf dem Weg ins Lager - ein Golf vor uns hat sich festgefahren. Wir konnten die Stelle aber auch nicht überwinden und mussten vorzeitig aussteigen und noch ein Stück laufen.
Ausgestiegen und das Ziel vor Augen bzw. im Rücken.
Vollgepackt mit Tausend Sachen...
Noch alle gut gelaunt.
Die Führer planen den Aufbau der Zelte.
Zelte aufgebaut.
Ich hatte das kleinste Zelt für eine Person. Seitlicher Einstieg, wie ein Grab. Absolut winzig, Drehung im Zelt kaum möglich, ohne es umzureißen.
Unser Lager.
Steffi in der Küche. Die Spaghetti werden erwärmt.
Hat gut geschmeckt und waren wichtige Kohlenhydrate.
Beim Essen - das Ziel im Hintergrund links oben.
Mein Zelt von innen.
Dämmerung.
0:00 Uhr
Aufstehen war angesagt. Ich war ehrlich gesagt froh, denn ich konnte sowieso nicht mehr schlafen und habe nur gefroren. Wir sind alle aufgestanden, haben uns umgezogen, die Zelte abgebaut und gefrühstückt. Es wurde richtig ernst. Die Zelte und anderen Sachen, die wir für die Besteigung nicht benötigten, haben wir abseits der Wege versteckt.
Morgens um 00:20 Uhr am Iztaccíhuatl.
Ohne Stirnlampe geht absolut nichts. Beim Frühstück.
Es geht los!
1:45 Uhr
Der Aufstieg begann. Wir liefen langsam ziemlich flach los, um unseren Körper hochzufahren und einen Rhythmus zu finden. Vorne weg Sebastian, hinten sicherte Fernando ab. Ziemlich schnell wurde es steil und wir begannen zu realisieren, auf was wir uns eingelassen hatten. Von nun an ging es nur noch bergauf. Pausen gab es faktisch keine, denn der Körper sollte sich nicht abkühlen und man sollte nicht den Rhythmus verlieren. Klasse. Steffi und ich waren meistens hinten bei Fernando und wenn wir zu den anderen aufgeschlossen sind, ging es gleich weiter. Wir haben uns wie Helga an Pfingsten gefühlt - ab dem nächsten Jahr habe ich noch mehr Verständnis, liebe Helga.
3:00 Uhr
Steffi und ich fühlten die ersten Probleme an den Füßen: Blasen! Wir spürten die ersten Stellen ganz leicht und klebten die ersten Blasenpflaster an unsere Fersen. An dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön an Paps, der mir seine Pflaster mit gab. Ohne diese wäre die Tour blutig geendet. Stundenlang ging es einfach nur bergauf und man schaute nur auf den Boden, um den Weg mit der Stirnlampe zu beleuchten. Es war ungemein anstrengend, sich durch den Schnee mit den Spikes zu bewegen.
6:15 Uhr
Nach etwa 4,5 Stunden erreichten wir eine Hütte, ein erstes Zwischenziel - auf 4780m - also gute 900 Meter über unserem Lager. Wir durften uns 20 Minuten in einer Hütte ausruhen, wo es nichts gab, außer ein paar Liegeflächen, wo auch andere übernachteten. Wir waren eigentlich alle schon platt. Zwei Nächte kaum geschlafen, Blasen, total erschöpft durch die körperliche Anstrengung und in der Hütte auch nur gefroren, da Füße und Hände nun kalt und nass wurden. Auch sind irgendwelche Mäuse oder Ratten im Dunkeln in der Hütte rumgerannt. Super.
Die einzige Motivation, die es gab, weiterzulaufen, war der Sonnenaufgang. Die Führer holten schon die Seile raus und wir bekamen unsere Halterungen zum Einfädeln.
Es wurde hell.
Der Beweis.
Alle 5 entschieden weiterzulaufen. Es folgte der bis dato brutalste Anstieg. Sergio entschied sich nach ein paar Metern, lieber nicht weiterzugehen - Atemprobleme aufgrund der Höhe - und kehrte zurück zur Hütte. Carolina, Christian, Steffi und ich gingen weiter. Es war einfach nur steil und wir liefen in Serpentinen den Berg hoch. Carolina und Christian vorne weg; Steffi und ich ließen uns etwas mehr Zeit.
8:00 Uhr
Wir waren oben angekommen - ein weiteres Etappenziel - und hatten die 5000er Marke geknackt: 5005m. Einfach der Wahnsinn. Wir wurden mit einem tollen Gefühl und Ausblick und Sonnenschein belohnt.
Steffi beim Aufstieg. Im Hintergrund der noch aktive Vulkan Popocatépetl.
Geschafft: 5005m.
Unsere Führer stellten erneut die Frage aller Fragen: wollen wir weiter gehen? (Steffi: Obwohl mir diese Frage rein rhetorisch vorkam, weil es klar war, dass wir es keine drei Meter weiter schaffen.) Wir schauten uns alle tief in die Augen und entschieden uns, dass hier Schluss sein sollte. Laut Führern würden wir noch weitere 3 Stunden (Steffi: bei unserem Tempo 5-6 Stunden, also nicht sehr ermutigend) bis zum Ziel - dem Gipfel 5230m benötigen und dann nochmal 5-6 Stunden zurück zum Lager. Denn wir würden als nächstes einen weiteren Gipfel, die Kniee der schlafenden Frau, erklimmen müssen. Danach geht es wieder bergab und dann erfolgt erst der finale Anstieg. Sie meinten, wir müssten jetzt noch 70% unserer Energie haben, um die Tour beenden zu können. Die hatte keiner mehr (Steffi: Ich glaube, ich hatte keine 7% mehr.). Bei mir setzten wieder leichte Kopfschmerzen ein und Christian und Carolina ging es bei den 5000 auch gar nicht mehr gut und mussten sich der bisher zugeführten Nahrung entledigen.
Beim Abstieg - unser Führer Fernando rechts.
Ich wollte auch ein Foto mit Fernando.
Es war keine leichte Entscheidung, aber gewiss die richtige. Auch wenn man sich nach einer kurzen Pause gut fühlt, ist man nach 10m bergauf wieder aus der Puste und fühlt sich einfach nur platt (Steffi: 10m? Das waren zwei Schritte, also höchstens 0,5m.).
9:00 Uhr
Wir entschieden uns alle für den Abstieg. Dort oben war es schon sehr eisig und wir wurden in zwei Gruppen jeweils mit einem Führer abgeseilt: Ich vorne weg, danach Steffi und hinten Fernando - der uns festkrallen sollte, im Falle wir würden stürzen. Es hat ganz gut geklappt und wir waren relativ schnell wieder bei der Hütte, wo Serge auf uns wartete.
10:00 Uhr
Alle waren wieder in der Hütte angekommen und wir durften uns ausruhen, bevor es wieder zurück ins Lager hin: Viel Wasser, Zucker und Ruhe für den Körper.
Die Hüte zum Ausruhen. Im Hintergrund der letzte Anstieg, den wir bewältigt hatten. Enorm steil.
Beim Ausruhen.
Steffi und ich in der Hütte. Mit Teppichen zugedeckt - kurzer Power Nap.
Die Spikes - ohne geht es absolut nicht.
Vor dem Abstieg bei der Hütte. Flachland im Hintergrund.
Der Abstieg begann und Ziel war es, in einem Rutsch ohne große Pausen unten anzukommen. Vermummt mit unseren Gesichtsmasken ging es runter; die Sonne brannte. Sonnenblocker wurde zusätzlich noch aufgetragen. Ich zog mir schnell die Jacke und den Pullover aus und war nur noch im langärmligen Thermoshirt von Dad unterwegs, das ebenfalls sehr hilfreich war. Wir mussten schnell runter, da der Schnee schmolz und sich dadurch kleine Lawinen bilden konnten. Wir wurden richtig runtergetrieben.
13:30 Uhr
Wir erreichten wieder unser kleines Lager und unsere Sachen waren noch alle da. Sichtlich erschöpft aber happy trudelten wir ein. Wir konnten uns nun etwas ausruhen, denn der Transporter kam erst etwa eine Stunde später.
Der Popocatépetl aktiv.
Zurück im Lager - Schnee geschmolzen, alle kaputt.
Wir traten die Rückreise nach Mexiko-City an und wurden schön an der U-Bahn rausgelassen. Nach kurzer Fahrzeit waren wir wieder da und wurden von Papa Serge für die letzten Meter gefahren. Wieder ein klasse Service.
In der casa Velazquez wurden wir wie Helden empfangen. Wir hatten schnell das erste Bier in der Hand, es wurde Fisch, Obst und eine Wurst-Käse-Platte serviert und wir haben von unserer Tour erzählt. Danach haben wir schnell ausgepackt, sind durch die Dusche und ich glaube gegen 20 - 21 Uhr waren wir alle im Bett.
Lecker Essen von Ale - Proteine pur.
Lessons Learned:
- Ausgeschlafen sein - ist uns nicht gelungen
- Eingelaufene und wasserfeste Schuhe. Blasen nach einer Stunde sind nicht hilfreich. Von Montagmittag an hatte ich durchgehend nasse Schuhe und nur beim Laufen wurden sie warm. Selbiges Schicksal erlitt Serge.
- Mitteldicke Handschuhe - ich hatte zwei: ein Paar zu warm, eines zu kalt. Suboptimal.
- Wasser, Cola und Zucker. Ohne Kohlenhydrate geht nichts. Ist uns gut gelungen
- Equipment zum Laufen: Hosen, Shirts und Pullover waren super. Ebenso die Gesichtsmasken für den Sonnen/Wind Schutz
- Schlafsack und Isomatte: unser Material war etwas zu dünn; wir haben alle gefroren.
- Akklimatisieren: hilfreich, wenn man sich etwas mehr an die dünne Luft gewöhnt.

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